Thomas Fricke, Leiter Logistik der FIFA WM 2006, über seine damalige Aufgabe
„Das eigentliche Kernteam umfasste fünf Leute“
Thomas Fricke weiß, wovon er spricht. Nicht nur, wenn es um Sport geht. Der studierte Wirtschaftsingenieur kümmerte sich als Leiter Logistik maßgeblich um das deutsche Sommermärchen 2006 und arbeitet heute als Unternehmensberater. Im Gespräch mit Thomas Schlichte blickt der dreifache Familienvater auch auf die aktuelle WM.
Herr Fricke, als Leiter der Logistik bei der FIFA WM 2006 – wie viele Menschen haben in Ihrem Team am deutschen Sommermärchen mitgearbeitet?
Thomas Fricke: Wir hatten in unserem Team 480 Mitarbeiter, die freiwilligen Helfer mit eingeschlossen. Dazu kamen weitere Fachkräfte, auch von anderen Firmen wie diversen Logistik-Dienstleistern. Das eigentliche Kernteam in Frankfurt umfasste fünf Leute.
480 Menschen – das klingt nach einem großen Aufwand. Wie viel Zeit hat Ihre Arbeit für dieses Großereignis denn in Anspruch genommen?
Fricke: Mit sechs Jahren Vorlaufzeit hatten wir einiges zu tun, denn die WM wurde am 9. Juli 2000 nach Deutschland vergeben. Das WM-Organisationskomitee hat die Arbeit mit einer Kernmannschaft von zwölf Menschen aufgenommen. Meine Abteilung „Beschaffung & Logistik“ wurde im Januar 2004 ins Leben gerufen. Und von da an war das für mich ein Full-Time-Job, denn ich war fest angestellt. Es galt ja auch, den Confederations-Cup 2005 oder die WM-Endrundenauslosung im Dezember des gleichen Jahres in Leipzig zu organisieren. Aber auch die „32-Länder-Tour“ für Franz Beckenbauer galt es, entsprechend vorzubereiten.
Die WM 2006 stand unter dem Motto „A time to make friends“ – haben Sie persönlich ein paar richtige Freunde hinzugewonnen, zu denen Sie noch regelmäßigen Kontakt haben?
Fricke: Ich habe nach wie vor noch eine Handvoll Kollegen, mit denen ich regelmäßig telefoniere oder mich auch mit Ihnen auf ein gemütliches Bier treffe. Aber ich hatte auch schon Besuch oder habe Kollegen beispielsweise in Frankfurt besucht. Es gibt auch hochkarätige Kontakte – aber da möchte ich mich nicht mit fremden Federn schmücken.
Derzeit rollt bei der WM in Südafrika der Ball – sind Sie um Rat gebeten worden?
Fricke: Nein, weil die Südafrikaner ihr eigenes Ding machen. Zwar hatten einige von ihnen bei uns während der WM hospitiert, doch sie haben relativ deutlich durchblicken lassen, dass sie unsere Ansätze und Lösungen gut finden, aber ihren eigenen Weg gehen wollen. Sie haben mit Stolz darauf hingewiesen: „Das ist unsere WM“, auch wenn die FIFA ein Auge darauf hat. Unser damaliger Chef Horst R. Schmidt ist dort vom Weltverband als Berater beauftragt.
Was sind Ihre derzeitigen Projekte – ist eine Rückkehr in den Sport denkbar?
Fricke: Bis auf wenige Kollegen mussten sich alle nach der WM damals eine neue Aufgabe suchen, auch ich. Denn eine Weltmeisterschaft ist ein Projekt und das endete mit dem Finale. Ich wurde zu mehreren Vorträgen eingeladen, das machte mir Spaß und ich bekam gute Bewertungen. So kam der Kontakt zu verschiedenen Unternehmen zustande. Ich kümmerte mich um Event- und Projektmanagement, leitete Motivationsseminare. Im Zuge dessen lernte ich 2008 die „viadee Unternehmensberatung“ kennen. Aber bei allem, was wir mit Technik anstellen können – es geht um den Menschen und dieses Vertrauen spürte ich bei meiner jetzigen Aufgabe. Dort spielen soziale Kernkompetenzen eine gewichtige Rolle, so dass ich mich dort zu Hause fühle, auch wenn wir mit Bundesligavereinen mit verschiedenen Aktionen zusammenarbeiten.
Zurück zur WM: Wer holt denn den Titel?
Fricke: Ich habe vor Beginn des Turniers die Spanier und die Argentinier favorisiert. Bei den Argentiniern scheine ich richtig zu liegen, die Spanier müssen jetzt die Kurve kriegen. Sie sind für mich das beste europäische Team, haben vor zwei Jahren die EM gewonnen und kaum mehr ein Spiel verloren. Die Deutschen sehe ich im Halbfinale mit Außenseiterchancen.
Zum Abschluss: Was halten Sie persönlich eigentlich von den Vuvuzelas?
Fricke: Ja, da bin ich zweigespalten (lacht). Wenn es zur afrikanischen Kultur gehört, dann ist das eben so und man sollte sie nicht verbieten. Dass das Fernsehen eine technische Möglichkeit gefunden hat, das Geräusch zu filtern, ist umso besser. Der Schweizer Fan hat seine Kuhglocken – die kann man ihm auch nicht verbieten. Deshalb sehe ich die Sache relativ entspannt. Ein Problem habe ich nur damit, wenn ich mein Wochenende im Garten genieße und irgendwo in der Nachbarschaft wird mit diesen Dingern Lärm gemacht.
Zur Person: Thomas Fricke ist verheiratet, hat drei Söhne und lebt im westfälischen Witten. Der 45-Jährige wirkte von 2004 bis 2006 als Leiter der Logistik maßgeblich an der FIFA WM 2006 in Deutschland mit. Heute arbeitet er für die Firma „viadee“ in der IT-Unternehmensberatung, die Büros in Münster und Köln unterhält. Nebenbei ist Fricke als Gastredner auf Kongressen ein gefragter Mann.
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