Die abgefallene Anspannung ist Peter Maffay nach dem letzten Auftritt der Clubtour 2008 im Circus Krone in München nach sechs Auftritten in sieben Tagen sichtlich anzumerken. Gewitzt, charmant und klar sind seine Worte gegenüber den Pressevertretern im anschließenden Interview.
tom: Kommen wir gleich auf Ihr neues Album „Ewig“ zu sprechen, das durch Lieder mit viel Ausdruck und Tiefsinn besticht. Woraus schöpfen Sie die Kraft für Ihre Songs?
Peter Maffay: Ich gewinne diese Kraft aus den Menschen, denen ich gegenüberstehe. Dann dauert es keine fünf oder zehn Minuten und wir sind sofort vom Feuer dieser Menschen entzündet. In Mimik, Gestik und Sprache steckt manchmal so viel Wärme, das ist auch noch nach 40 Jahren sehr interessant und anregend.
tom: Ihre Texte klingen sehr nach ihrem eigenen Leben. Wie viel Peter Maffay steckt in Ihren Liedern?
Peter Maffay: In diesen Liedern ist soviel autobiographisches drin, das bewegt mich sehr. Meine Songs beschreiben meinen Zustand, der aber auf andere übertragbar ist. In unserer Musik steckt Raum für Interpretation. Das heißt, dass jeder seine eigene Situation entwickeln kann. Die Fantasie eines jeden Einzelnen muss sich durch Musik entfalten können. Ich widme „Ewig“ meiner Frau und meinem Kind, ein anderer vielleicht seiner Mutter.
tom: Ein Aspekt, der in Ihren Liedern immer wieder anklang, ist der Faktor des Umweltschutzes und die Wichtigkeit des Erhalts natürlicher Ressourcen. Wie wichtig ist der Naturschutz für Sie?
Peter Maffay: Ich lebe, wie Sie sicher wissen, auf einen Bauernhof. Dort haben wir eine Einrichtung für traumatisierte Kinder. Die Natur als Therapeut ist in vielen Einrichtungen heutzutage fester Bestandteil, das ist nicht unsere Erfindung. Wir erleben jeden Tag, was die Klimaveränderung mit sich bringt. Absterbende Bäume, knappe Wasserressourcen, Pestizide. Im Winter lebe ich auf Mallorca. Diese Insel hat sich in den vergangenen 35 Jahren, als ich zum ersten Mal dort war, wahnsinnig verändert. Die Insel platzt aus allen Nähten und das passiert heute an vielen Orten dieser Welt. Das passiert zugunsten einiger weniger, die sich die Taschen voll stopfen und von Korruption und entsprechender Politik profitieren. Das ist leider heute so.
tom: Muss sich diesbezüglich in unsere Gesellschaft und ihrem Werteverständnis etwas ändern, viell. auch schon in den Schulen?
Peter Maffay: Ich glaube, dass sich in dieser Hinsicht sicher etwas tun muss, auch in der Wertevermittlung, aber ich bin kein Pädagoge. Aber die richtige Augenhöhe im Umgang miteinander ist für mich der entscheidende Faktor. Respekt passiert nur, wenn beide Seite dazu bereit sind, sich zu treffen. Egal, ob das Generationen, Tiere oder auch Kinder sind. Wenn wir es schaffen, den Kindern den entsprechenden Respekt zu vermitteln, dann sind sie für das Leben besser gerüstet.
tom: Es gibt zahlreiche Hilfsprojekte. Warum setzen Sie sich ausgerechnet für Kinder ein?
Peter Maffay: Na, weil Kinder klein sind und ich auch. Die Kleinen haben es einfach immer etwas schwerer (lacht).
tom: Welche wohltätigen Projekte haben Sie denn als nächstes geplant?
Peter Maffay: Als nächstes unterstützen wir Schulen in Siebenbürgen in Rumänien, wo ich herkomme. Sie müssen sich vorstellen, was dort eine Tafel und diverse Schulmöbel kosten und was für unglaubliche Zustände dort herrschen. Da schreiben die Kinder auf schwarzen Holzbrettern.
tom: Sie feiern im nächsten Jahr einen runden Geburtstag und stehen schon so lange auf der Bühne. Was treibt Sie nach all den Jahren im Showgeschäft immer noch an?
Peter Maffay: Sehen Sie, das ist ganz einfach. Man hat in diesem Geschäft viel mit jungen Leuten zu tun. Außerdem stehen unten im Publikum immer ein paar nette Mädels. Da möchte man ja nicht über die Bühne schleichen, da muss man einfach fit sein. Schauen Sie sich mal Bertram Engel (Schlagzeuger, Anm. d. Red.) an. Was der leistet ist enorm. Wenn man gewinnen will, muss man kämpfen können. Und, na klar, die Eitelkeit spielt auch eine gewisse Rolle dabei.
tom: Zum Abschluss: wie fällt Ihr Fazit der Clubtour 2008 aus und in wieweit diente diese als Generalprobe für die Hallentour und die „Open Airs“ im nächsten Jahr?
Peter Maffay: Das müssen wir ganz vorsichtig angehen, da dürfen wir den Bogen nicht überspannen. Ich sage es einmal ganz vorsichtig, ohne erste Ergebnisse zu kennen. Wir sind mit dem Album gut gestartet. Unser Ziel war es, das Album bekannt zu machen und nicht nur darüber zu reden. Wir wollten das Album spielen, das haben wir mit diesen Konzerten in der vergangenen Woche getan. Am Montag kommen die Charts, da wissen wir mehr. Wir wollen den Leuten Spaß bereiten und ich glaube, dass wir ein geiles Album haben. Nach diesem Abend sehe und wünsche ich mir drei Songs ganz oben und vier in der Mitte.
Thomas Schlichte
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