muss ein absoluter Fußballjunkie sein
Dirk Lips kennt sich im „Haifischbecken“ Profifußball sehr gut aus, die Erfahrung gibt ihm Recht. Der gelernte Redakteur, der lange Zeit bei den Stuttgarter Nachrichten arbeitete, ist ein Fußballjunkie. Seine Begeisterung für das runde Leder führte ihn bis hin zum Pressesprecher des VfB Stuttgart (1990 - 1995). Seit vierzehn Jahren ist Lips als Spielerberater tätig. Im Verlaufe dieser Zeit gehörten Thomas Berthold, Thomas Strunz und Didi Hamann zu seinen Klienten.
Von Thomas Schlichte
Beinahe 20 Jahre im Fußballgeschäft haben einiges in seiner Vita bewegt, die Wochenenden verbringt Dirk Lips in den Fußballstadien dieser Welt. Der gelernte Redakteur, der volontierte und später für die „Stuttgarter Nachrichten“ und „Sonntag aktuell“ schrieb, ist dem Fußball verfallen. Und das in positivem Sinne, denn seit 1990 kümmert sich Lips um der Deutschen Lieblingssport. Immer dicht dran, gut vernetzt und oft mit dem richtigen Riecher. Nach seiner Tätigkeit als Pressesprecher beim VfB Stuttgart, machte sich Dirk Lips diese Eigenschaften zunutze und wechselte ins Beratergeschäft. „Einen Königsweg gibt es dafür nicht. Spielerberater ist kein Ausbildungsberuf und wird es wohl auch nie werden“, betont Dirk Lips. 1995 heuerte er bei Heinz Gruler an, einer damals schon etablierten Beratergröße aus Tuttlingen. Lips stieg als Teilhaber ein, managte mit dem „alten Hasen“ Gruler das Tagesgeschäft. „Das war eine für mich wichtige Lernphase“, erinnert sich der 46-jährige. Nach knapp zehn Jahren brauchte Lips eine Veränderung und machte sich 2004 in Gerlingen bei Stuttgart selbständig. Heute hat der Fußballjunkie, wie er sich selbst bezeichnet, 26 Spieler unter Vertrag. Ja gut, Vertrag ist das falsche Wort, denn Dirk Lips hat keine schriftlichen Dokumente mit seinen Klienten verfasst. „Unsere Zusammenarbeit basiert ausschließlich auf Vertrauen. Ich regle das mit meinen Klienten per Handschlag“, erzählt er nicht ohne Stolz. Zu seinen derzeit bekanntesten Klienten gehören der Frankfurter Kapitän und Ex-Stuttgarter Ioannis Amanatidis, der „Münchner Löwe“ Sascha Rösler (Ex-Ulmer) oder auch der starke Mann an der Seitenlinie beim 1. FC Köln, Zvonimir Soldo. Viele von ihm betreute Schützlinge sind schon seit der A-Jugend bei Lips in Obhut und der Erfolg gibt dem Berater recht. Seit mehreren Jahren beschäftigt Dirk Lips mit dem Ex-Profi Torsten Chmielewski einen Scout, der für ihn Talente sichtet. „Potentielle Klienten gibt es viele, aber wir müssen beide von der Qualität absolut überzeugt sein“, bekräftigt Lips. Kritisch sieht Lips die Fülle an unseriösen Beratern, die oft nur auf schnelles Geld ausseien, ohne Lizenz arbeiten und deshalb dem Image ihrer Zunft schaden. „In meinen Augen gehört eine große Leidenschaft für den Fußball einfach dazu“, sagt Dirk Lips. Auch die unglaublich hohen Ablösesummen für Cristiano Ronaldo (94 Millionen, Anm. d. Red.) und den Brasilianer Kaká (65 Millionen, Anm. d. Red.) betrachtet Lips mit kritischem Auge. „Solche Summen sind in Deutschland undenkbar. In Spanien ist das anders, zumindest was Real Madrid betrifft“, sagt Spanien-Kenner Lips. Der gebürtige Stuttgarter, der neben englisch und französisch auch spanisch spricht, vermittelte 2006 den Ex-VfBler Andreas Hinkel zum FC Sevilla. „Letztlich muss sich ein Verein absolut sicher sein, dass er solche Investitionen wieder einspielen kann.“
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Dirk Lips weiß wovon er spricht, hat über die Jahre sehr viel Erfahrung gesammelt. Seit 1990 ist der gelernte Redakteur im Fußballgeschäft tätig, arbeitete bis 1995 als Pressesprecher des VfB Stuttgart. Davor volontierte er, war bei den Stuttgarter Nachrichten und Sonntag aktuell beschäftigt. Seit 1995 war er als Berater in einer Agentur tätig, seit 2004 arbeitet er alleine mit Sitz und Büro in Gerlingen bei Stuttgart. Zu seinen aktuellen Bundesliga-Klienten gehören Ioannis Amanatidis, Ralf Fährmann (beide Eintracht Frankfurt) und Dominic Maroh (1. FC Nürnberg). Zuletzt brachte der 46-jährige Zvonimir Soldo, den früheren VfB-Kapitän (arbeitete als Spieler schon mit Lips zusammen), als Trainer zum 1. FC Köln.
Herr Lips, wie wird man eigentlich Spielerberater?
Es gibt keinen Königsweg. Spielerberater kommen aus vielen verschiedenen Ecken und Berufssparten. Es gibt seriöse Spielerberater, aber auch unseriöse – dessen sollte man sich bewusst sein. Aber Spielerberater ist kein Ausbildungsberuf und wird es wohl auch nie werden Meiner Meinung nach sollte man aber schon vor dem Einstieg als Spielerberater dem Fußball verbunden sein.
Wie lange sind Sie schon in dieser Branche aktiv?
Ich habe nach Abitur und Studium erst volontiert, dann als Redakteur gearbeitet. Von 1990 bis 1995 habe ich die Pressestelle des VfB Stuttgart aufgebaut und geleitet und einige Kontakte geknüpft. 1995 wechselte ich ins Beratergeschäft, bin bei Heinz Gruler in Tuttlingen eingestiegen. Nach knapp zehn Jahren habe ich mich dazu entschieden, alleine weiterzumachen. Deshalb habe ich 2004 meine eigene Agentur gegründet.
Welche besonderen Qualifikationen braucht man für diese Tätigkeit?
Das ist schwer zu beantworten, da hat jeder sein eigenes Konzept. Sicherlich waren die Begegnungen und Kontakte, die ich mir beim VfB Stuttgart aufgebaut habe, für diesen weiteren Lebensweg hilfreich. Grundsätzlich halte ich es für unabdingbar, die für dieses Geschäft notwendige Lizenz beim DFB zu erwerben. Leider gibt es da eine gewisse Grauzone.
Kommen Spieler eigentlich von selbst auf Sie zu? Dieses Geschäft ist sicher keine Einbahnstraße, ich bekomme sehr viele Anfragen. Ich habe einen Scout beschäftigt, der für mich Spieler sichtet und mir Tipps gibt. Natürlich ist dabei eine gute Vernetzung wichtig, vor allem zu Trainern und Managern, aber auch zu den Spielern selbst. Wenn ich jemanden interessant finde, werde ich selbstverständlich auch selbst aktiv.
Wie laufen solche Gespräche über eine mögliche Zusammenarbeit denn ab?
Bei einem möglichen Treffen muss ich von der Qualität eines Spielers absolut überzeugt sein. Es macht für mich keinen Sinn, wenn ich nicht sehe, dass es derjenige bis in die höchsten Profiligen schaffen kann. Jedes Gespräch ist individuell. Gerade bei jungen Spielern ist es für mich wichtig, dass die Eltern bzw. Erziehungsberechtigten mit am Tisch sitzen.
Können Sie überhaupt Fan von einem Spieler oder Verein sein?
Das verbietet sich in diesem Geschäft von selbst. Grundsätzlich bin ich „Fan“ von meinen Klienten. Ich benötige einen Zugang zu den Vereinen, muss aber eine gewisse Distanz wahren.
Was halten Sie von den gezahlten Millionensummen rund um Cristiano Ronaldo und Co.?
Der betreffende Verein muss sich eben sicher sein, dass er das wirtschaftlich stemmen kann. Diese Entwicklungen sind nicht ohne Risiko, aber der Markt ist eben derzeit offen für solche Summen. In Spanien ist die Marktwahrheit eine andere, als in Deutschland. Hier sind Transfersummen wie für Ronaldo (94 Millionen, Anm. d. Red.) undenkbar. Das Beispiel Gomez zeigt (30 Millionen zu Bayern), dass es auch in der Bundesliga in diese Richtung geht, allerdings in einem geringeren Tempo.
Entwickeln sich im „Haifischbecken“ Profifußball auch Freundschaften?
Eher weniger. Man hat zwar viele engeren Kontakte, aber richtige Freunde gibt es nur wenige.
Sind Sie jede Woche irgendwo im Stadion?
Das versteht sich von selbst. Sie können davon ausgehen, dass ich während des Spielbetriebs – alleine am Wochenende – bis zu drei Live-Spiele sehe und das natürlich im Stadion. Aber da ist die Spannbreite groß: Denn von der A-Jugend, über die Bundesliga und Nationalmannschaft, bis hin zur Champions League ist alles dabei.
Zum Abschluss: Welche Ziele haben Sie in naher Zukunft mit Ihren Klienten?
Ich möchte jeden einzelnen meiner Klienten soweit wie möglich entsprechend seinem Potential nach oben bringen. Dabei geht es sicher auch, aber nicht nur um Geld. Ich schließe mit meinen Spielern keine Verträge in schriftlicher Form, weil ich nicht möchte, dass sich ein Spieler nur aufgrund einer Unterschrift gebunden fühlt. Die Zusammenarbeit basiert auf Vertrauen, sonst macht das für mich keinen Sinn. Beispielsweise sind die Spieler Sascha Rösler (31), Ioannis Amanatidis (27) und Fabio Morena (28) schon seit der A-Jugend bei mir – und das ohne jemals einen Vertrag unterschrieben zu haben. Zudem beschäftige ich mit Torsten Chmielewski, der auch als Spieler bei mir war, einen Scout, der Talente sichtet.
Fragen: Thomas Schlichte
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