Politik
Eigeninitiative ist gefragt
Von Thomas Schlichte
Woltersdorf – Eine gute Idee hat Erfolg. Seit fast zehn Jahren gibt es in der brandenburgischen Kleinstadt ein außergewöhnliches Modell. Der Verein „Elterninitiative Christliche Kita Woltersdorf“ gründete eine christliche Kindertagesstätte. Mittlerweile beherbergt die „Schatzkiste“ 120 Kinder, die auch aus konfessionslosen Familien kommen - in Zeiten der Kinderkrippendiskussion auf Bundesebene ein Vorbild.
Der Koalitionsausschuss tagt. Bis 2013 soll die Zahl der Krippenplätze für Kinder unter drei Jahren auf 750 000 verdreifacht werden, weil in Westdeutschland derzeit für weniger als zehn Prozent der Kleinkinder Krippenplätze zur Verfügung stehen. Das Ziel ist, durch mehr Kindertagesstätten (KiTas) Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Fachkräfte und andere gehobene Bildungsschichten den Anreiz erhalten, Kinder zu bekommen. In den neuen Ländern ist die Thematik weniger relevant. KiTas waren und sind dort keine Seltenheit. Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) stößt mit ihren Absichten auf Widerstand. Fachleute argumentieren mit der Frage, ob eine so frühe Trennung von Mutter und Kind sinnvoll ist. Vertreter der Regierungsparteien verweisen zudem darauf, dass die Diskussion nicht völlig neu ist.
In den neuen Bundesländern gibt es Ansätze neue Wege zu finden, KiTas auch ohne öffentliche Trägerschaft zu etablieren. Ein gutes Beispiel dafür ist die christliche Kindertagesstätte in Woltersdorf. Seit knapp zehn Jahren besteht diese Einrichtung. Zur Zeit besuchen 120 Kinder die „Schatzkiste“. Zeitgemäße pädagogische Konzepte und religiöse Inhalte prägen die Ausrichtung der Kita.
Bis heute hat sich viel getan: 34 Kinder waren es zu Beginn. Sie sind nicht nur in der alten Villa, sondern auch in einem Neubau untergebracht. Die Gruppen sind vielfältig: es wird schwerpunktorientiert gearbeitet, so dass die Kinder ab zwei Jahren Abwechslung haben. Dazu gehören eine Waldgruppe, die sich vor allem im Freien bewegt und Englischunterricht für alle Kinder.
Bereits in der rot-grünen Koalition gab es mit dem „Tagesbetreuungsausbaugesetz“ (TAG) erste Verbesserungsvorschläge. Bis 2010 sind zusätzliche 230 000 Krippenplätze beschlossen worden. Doch die Umsetzung bleibt schwierig. Für den 16. April sind neue Gespräche geplant. Außerdem gibt es familienpolitisch in jedem Bundesland, auch in einzelnen Gegenden, erhebliche Unterschiede.
Dass man aber etwas tun muss, steht dabei außer Frage. Wenn der Bund sich nicht einigt, muss man selbst anpacken. So haben es die Mitglieder der „Elterninitiative Christliche Kita Woltersdorf“ auch getan. Die Gründung einer eigenen Kindertagesstätte konnte verwirklicht werden. Den Kindern soll der Umgang mit Gott neben Spielangeboten vermittelt werden. „Wir kämpfen jeden Tag um einen guten Mittelweg“, sagt Christel Schmidt. Sie ist die Leiterin der „Schatzkiste“.
Der Bund möchte entsprechende Pläne mit finanziellen Mitteln unterstützen. Das Zusammenlegen der Arbeitslosen- und Finanzhilfe sorgt für Entlastung und macht Mittel frei, die in die Kinderbetreuung gesteckt werden können.
Die Pläne der Regierung sind nachvollziehbar, doch der demographische Wandel drückt. Gerade deshalb ist das brandenburgische Erfolgsmodell ein gutes Beispiel. Dank der „Elterninitiative Christliche Kindertagesstätte Woltersdorf e.V.“ ist dieses bisher einmalige Projekt entstanden. Die Resonanz auf das Angebot ist groß. „Kinder brauchen Regelmäßigkeit. Wir versuchen einen Rahmen vorzugeben“, fügt Schmidt hinzu.
Weitere 50 Krippenplätze sind im alten Ratskeller, einer ehemaligen Gaststätte im Ort, geplant.































